Empfehlungen & Wissenswertes
für das Zusammenleben mit Hunden
Wissenswertes:
Checkliste vor Anschaffung eines Hundes aus dem Tierschutz:
- Was möchte ich für einen Hund? Welcher Hund passt in mein Leben?
- Vermietergenehmigung einholen (schriftlich)
- Kann ich mir einen Hund leisten? Weiß ich, was alles auf mich zukommt? Habe ich grundsätzlich ausreichend Zeit für einen Hund, insbesondere für die Eingewöhnung und Erziehung?
- Habe ich einen Plan B, wenn der Hund z.B. noch nicht alleine bleiben kann?
- Beraten lassen von Hundetrainer:innen, welcher Hund zu einem passen könnte.
- In Tierheimen (nicht nur in der eigenen Stadt) nach geeigneten Hunden schauen
- (Oder) Seriösen Tierschutzverein finden mit Pflegestellen, auf denen du Hunde kennen lernen kannst. Von Direktadoptionen aus dem Ausland rate ich ab! Im Shelter kann man schlecht bis gar nicht einschätzen, wie sich ein Hund in einem Haushalt verhalten wird.
- Ist der Hund gechipt, geimpft und besitzt einen Heimtierausweis?
- Wohnung/Haus für die Anfangszeit hundesicher machen
- Erstausstattung besorgen: Halsband, Geschirr, Leine, Fressnapf, Wassernapf, Hundebett, Futter, Maulkorb, Anschnallgurt oder Heckgitter für das Auto.
- Über Versicherungen informieren (Hundehalterhaftpflicht, Kranken/OP-Versicherung für den Hund)
- "Was ist in der Anfangszeit mit einem Hund aus dem Tierschutz zu beachten?" lesen
Fragen, die du dir vor der Anschaffung eines Hundes stellen kannst:
Warum möchte ich einen Hund?
- Welchen Zweck /welches Bedürfnis soll der Hund erfüllen?
- Welche Rolle soll der Hund in deinem Leben spielen?
Wie sieht das Zusammenleben (Alltag, Hobbys,...) mit deinem Hund in deiner Idealvorstellung aus?
- Welche Erwartungen hast du?
- Welche Anforderungen stellst du?
- Wie profitiert dein Hund von eurer Beziehung/Zusammenleben?
- Wie ist der Abgleich mit der Realität?
Was machst du, wenn der Hund nicht deinen Idealvorstellungen entspricht oder sich deine Lebensumstände ändern?
- Kannst du deine Erwartungen anpassen?
- Bist du bereit deine Lebensumstände anzupassen?
- Hast du einen Plan B?
Ist dir bewusst, welche laufenden Kosten auf dich zukommen?
- Tierarztkosten
- Steuer
- Versicherungen
- Hundetraining
- Evtl. Betreuungskosten
- Futter und Ausstattung
Hast du genug zeitliche Kapazitäten?
- für Erziehung
- für Training
- für Beschäftigung
- für Spaziergänge
- für Versorgung, auch im Alter oder Krankheitsfall des Hundes
Welche Erkenntnisse ziehst du aus der Reflexion?
- Welche Rassen/Hundetypen passen am besten zu deinem Leben?
- Welches Alter sollte der Hund haben?
- Welche Persönlichkeit sollte der Hund haben?
- Woher soll der Hund kommen?
Woran erkenne ich einen seriösen Tierschutzverein?
- Ist es ein eingetragener Verein und hat den Vereinssitz in Deutschland?
- Falls der Vereinssitz in einem anderen Land ist: hat der Verein die Genehmigung nach Deutschland zu vermitteln und gibt es feste Ansprechpersonen in Deutschland?
- Hat der Verein die Vermittlungserlaubnis nach §11 Abs.1 Nr. 5 TierSchG?
- Gibt es klare Ansprechpersonen?
- Ist die Arbeit und die Verwendung von Spendengeldern transparent?
- Bei Auslandstierschutzvereinen: engagiert sich der Verein vor Ort, um dort die Lage zu verbessern (Aufklärung, Kastrationsaktionen,...) oder werden ausschließlich Hunde nach Deutschland geschickt? Werden die Hunde vor Ausreise geimpft, gechippt, entwurmt und auf Mittelmeerkrankheiten untersucht und besitzen einen EU-Heimtierausweis?
- Arbeitet der Verein mit Pflegestellen? Gibt es die Möglichkeit die Hunde vor Adoption kennen zu lernen, evtl. auch öfter zu besuchen?
- Welchen Eindruck macht die Pflegestelle? Werden die Hunde dort auf den Alltag in Deutschland vorbereitet oder nur "verwahrt"?
- Hat der Verein Not-Pflegestellen für Rückläufer?
- Sind die Vermittlungstexte und Postings sachlich und ehrlich oder extrem emotional und verharmlosend?
- Werden hauptsächlich Welpen und junge Hunde vermittelt oder auch erwachsene, ältere Hunde?
- Wird man vor der Adoption aufgeklärt über die Herkunft, die Genetik (Rasseeigenschaften oder Hundetypen des jeweiligen Landes) und damit einhergehenden Verhaltensweisen, Erkrankungen, Probleme die auftreten können,...?
- Wird man als Adoptant:in ausreichend geprüft, ob ein Hund ins Leben passt? Finden Vor- und Nachkontrollen statt?
- Kommuniziert der Verein ehrlich und wertschätzend oder fühle ich mich emotional erpresst und unter Druck gesetzt? Darf ich viele Fragen stellen und bekomme kompetente Antworten?
- Wird auf Augenhöhe mit mir besprochen, welcher Hund am besten in mein Leben passt?
- Wird der Vertrag schriftlich geschlossen und beinhaltet: identifizierende Angaben zum Käufer/Verkäufer/Hund, Kaufpreis/"Schutzgebühr"
- Steht mir der Verein auch nach der Vermittlung bei Problemen zur Seite?
Wie sichere ich meinen Hund in der Anfangszeit richtig?
- Dein Hund trägt ein Sicherheitsgeschirr (3 Riemen, der hinterste sitzt auf dem letzten Rippenbogen, so dass er nicht über den Brustkorb rutschen kann), ein gut sitzendes Halsband (bestenfalls ein Zugstophalsband aus dem er nicht raus kann).
- Dein Hund wird doppelt gesichert mit zwei Leinen. Eine Führleine in deiner Hand und am Halsband. Eine zweite Sicherungsleine am Sicherheitsgeschirr und an deinem Körper befestigt.
- Voll geladenen Tracker am Sicherheitsgeschirr oder Halsband befestigen.
- Erstmal immer die gleiche und keine großen Strecken laufen. Falls ein Garten vorhanden ist, mind. die erste Woche ausschließlich im Garten gesicherten Auslauf ermöglichen.
Was tue ich, wenn mein Hund entlaufen ist?
- Ruhe bewahren.
- Am Ort des Entlaufens bleiben und wenn möglich Zuhause Zugang gewähren. Viele Hunde kehren an den Ort des Entlaufens zurück oder laufen nach Hause.
- Kontakt zu einem Sicherungsteam aufnehmen und Anweisungen befolgen (Hundesicherung Bremen & Umzu: Alina Burgdorf 0152 08497102)
- Polizei, Tasso o.ä. und umliegende Tierheim informieren. Evtl. auch Jägerschaft und Tierärzt:innen.
- Futterstelle am Ort des Entlaufens und Zuhause einrichten und 24 h freien Zugang ermöglichen.
- Passanten bitten die Augen offen zu halten, aber davon abhalten den Hund aktiv zu suchen. Aktives Suchen vertreibt die Hunde meist nur noch mehr. Ein Hund auf der Flucht ist u.U. im "Wildtiermodus" und verhält sich nicht unbedingt wie üblicherweise gegenüber Menschen.
- Geruchsträger für mögliche Pettrailer in luftdichtes Behältnis aufbewahren. Geruchsträger darf ausschließlich mit den Hund in Kontakt gewesen sein.
- Flyer erstellen und großzügig in der Umgebung aufhängen, um mögliche Sichtungen zu erhalten.
Der Maulkorb - Nützliches Hilfsmittel mit unverdient schlechtem Ruf
Ein gut sitzender Maulkorb gehört zur Grundausstattung jedes Hundes. Warum? Gründe gibt es viele: z.B. Eigen- und Fremdschutz, als Beiß- oder Fressschutz, weil es vorgeschrieben ist, um Training zu ermöglichen, um einen entspannten Umgang miteinander zu ermöglichen, um Sozialkontakt zu Artgenossen zu ermöglichen, um einen entspannten Spaziergang zu ermöglichen, um den Hund untersuchen zu können (auch bei Schmerzen), etc. Ein Maulkorb kann aus den unterschiedlichsten Gründen sinnvoll sein. Umso wichtiger ist es, dass unsere Hunde an einen gut sitzenden Maulkorb gewöhnt sind und diesen entspannt tragen können. Maulkörbe sind nichts Schlimmes, im Gegenteil, ein Maulkorb kann zu mehr Freiheit führen. Maulkörbe sind ein Hilfsmittel, genauso wie Halsband, Leine und Co, um den Alltag mit Hund zu erleichtern.
Gerne gebe ich euch eine Einschätzung, ob der Maulkorb eures Hundes gut sitzt. Ein paar Modelle habe ich zum Anprobieren da. Eine größere Auswahl gibt es u.a. bei:
MengeDogs
KynoKollektiv
Onlineshops:
Chic & Scharf
Maulkorb Factory
Rootdogs
Blog:
Die Anfangszeit mit einem Hund aus dem Tierschutz
Häufig bekommt man zu hören: erst einmal in Ruhe lassen, ankommen lassen, Erziehung kommt dann später! Aber wie fühlt sich das für den Hund an, der sich plötzlich in einem völlig neuem Umfeld wiederfindet? Was braucht er? Liebe? Ja, aber kann er die von jemanden, den er gar nicht kennt (evtl. sogar nie wirklich was mit Menschen zu tun hatte bisher) überhaupt annehmen? Wenn ihr z.B. eine neue Arbeitsstelle antretet: neue Kolleginnen, neues Umfeld etc. Was braucht ihr? Jemanden, der euch an die Hand nimmt und zeigt wie es hier läuft. Was der Rahmen ist, indem ihr euch bewegen könnt. Wie geht man hier miteinander um usw. Das gibt euch Sicherheit! Ihr wisst dann, wie ihr euch verhalten könnt. Ein Rahmen gibt Halt. Die Regeln und Umgangsformen zu kennen gibt Sicherheit. Das brauchen auch unsere Hunde, insbesondere aus dem Ausland. Klare Regeln und jemanden, an dem sie sich orientieren können. Und ja, das heißt, dass man in der ersten Zeit durchaus begrenzt, räumlich und im Verhalten. Nicht mal so mal so, sondern klar und verlässlich. Dazu ist es notwendig sich selbst vorher darüber klar zu werden, welche Regeln es im Zusammenleben mit Hund überhaupt geben soll. Gleichzeitig sorgt ihr für Schutz, Geborgenheit und Nahrung, damit befriedigt ihr Grundbedürfnisse und mit der Zeit kommt das Vertrauen. Das Vertrauen in euch, kommt auch vor allem dadurch, dass der Hund lernt, ihr seid jemand auf den man sich verlassen kann, der in der Lage ist Regeln aufzustellen und durchzusetzen. Also jemand seid, der soziale Kompetenzen besitzt, die aus Sicht des Hundes überlebenswichtig sind. Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Anfangszeit ist, dem Hund viel Ruhe zu ermöglichen! Nur in den Ruhe-/Schlafphasen hat das Gehirn die Möglichkeit die vielen neuen Reize, durch die veränderten Lebensumstände, zu verarbeiten. Auch Schlaf/Erholungsphasen sind Grundbedürfnisse.
Eine ausreichende Sicherung sollte in der Anfangszeit nicht unterschätzt werden. Die Hunde haben noch keine ausreichende Beziehung zu euch, kennen sich in der neuen Umgebung nicht aus, können bestimmte Situationen und Reize noch nicht einordnen. Dass ein Hund entläuft kann aus unterschiedlichen Gründen passieren und kann für den Hund tödlich enden. Der Hund trägt draußen daher bestenfalls: ein Zugstopphalsband, ein Sicherheitsgeschirr (!), einen Tracker und wird durch uns abgesichert mit: einer Führleine, die am Halsband befestigt ist und einer Sicherungsleine, die am Geschirr und am Körper des Menschen befestigt ist. Wenn ihr einen Garten zur Verfügung habt, dann reicht es in der Anfangszeit völlig aus, um mit dem Hund raus zu gehen. Größere Spaziergänge überfordern viele Hunde aus dem Ausland, da sie u.U. durch die Konfrontation vieler neuer Dinge/Situationen völlig reizüberflutet werden. Sie haben schon genug mit der kompletten Veränderung ihrer Lebensumstände zu verarbeiten. Sollte der Hund entlaufen macht es Sinn sich professionelle Hilfe zu holen, z.B. durch die Hundesicherung Bremen & Umgebung (Alina Burgdorf 0152/08497102).
Hunde sind übrigens nicht „dankbar“. Aber sie wissen i.d.R. nach einiger Zeit durchaus ihr neues Luxusleben bei uns zu schätzen! ;) Die Anfangszeit ist besonders und schön. Genießt es, gebt euch Zeit euch gegenseitig kennen zu lernen, gebt euren Hund Zeit sich einzuleben ohne hohen Erwartungsdruck und nehmt euren Hund „an die Hand“, um ihm unsere Welt zu zeigen!
Und ganz wichtig: Teppiche weg räumen! Man kann nicht erwarten, dass ein Hund aus dem Tierschutz sofort stubenrein ist.
Gerne stehe ich euch in dieser besonderen Zeit zur Seite.
Hunde aus dem Auslandstierschutz
Hunde, die direkt aus dem Ausland kommen sind nicht automatisch dankbar "gerettet" worden zu sein und i.d.R. sind sie auch keine "Angsthunde" – sie sind evtl. erstmal verunsichert. Verständlicherweise.
Sie haben nicht zwangsläufig etwas schlimmes erlebt, oft einfach nur sehr wenig bzw. wenig, was mit unserem Alltag hier in Deutschland zu tun hat. Ihr Verhalten ist auf die Umgebung angepasst, in der sie hinein- und in der sie bisher aufgewachsen sind. Jetzt müssen sie sich ganz neu orientieren. Plötzlich ist alles neu. Neue Umgebung. Neue Regeln. Neue Erwartungen. (Neue) Menschen.
Leider werden Hunde zu Anfang oft einfach „in Ruhe gelassen“. Sollen erstmal ankommen, die Armen. Dabei brauchen diese Hunde jetzt jemanden, der sie an die Hand nimmt. Der ihnen Sicherheit gibt, Orientierung, Grenzen – klar und liebevoll.
Hunde sind soziale Lebewesen.
Sie brauchen authentische Beziehung – mit Nähe, mit Emotionen, mit Klarheit. Hunde brauchen echte Verbindungen – nicht Mitleid, sondern Verantwortung.
Von Anfang an und immer alles richtig machen
Ich finde es toll und anerkennenswert, wenn sich Leute von Anfang an Unterstützung an die Seite holen. Sie sind sich der großen Verantwortung bewusst, die man übernimmt, wenn man einen oder mehrere Hunde hält und bereit diese Verantwortung zu übernehmen. Sich professionellen Rat zu holen, anstatt erstmal selbst tausend Sachen auszuprobieren, angeregt durch Tipps aus dem Internet, ist in Anbetracht der Zeiten von Social Media eine positive Entwicklung (vor allem für die Hunde). Viele gehen so früh in Hundeschulen natürlich aus dem Bedürfnis heraus "von Anfang an alles richtig zu machen". Damit setzen sich die Menschen sehr unter Druck und vor allem setzen sie sich ein unerreichbares Ziel. Wir sind Menschen, wir machen Fehler. Das ist okay. Sich selbst zuzugestehen Fehler zu machen und daraus zu lernen ist enorm wichtig, um handlungsfähig zu bleiben. Denn Erziehung findet 24/7 statt. Sich dessen bewusst zu sein kann ganz schön unter Druck setzen.
Wir können nicht 24/7 perfekt funktionieren. Wir machen Fehler und wir dürfen Fehler machen, genauso wie unsere Hunde. Zum souveränen Auftreten gehört auch eine große Portion Gelassenheit (nicht zu verwechseln mit Gleichgültigkeit!) im Umgang mit uns selbst und mit den Hunden.
Insbesondere am Anfang wollen wir alles "in die richtigen Bahnen lenken". Turns out: das ist nicht möglich... Erfolgserlebnisse und Scheitern gehören gleichermaßen zur Entwicklung dazu. Aber an zu hohen Zielen können wir nur scheitern. Ziele müssen realistisch sein.
Die gesellschaftlichen Ansprüche an uns und an Hundehaltung sind mittlerweile eh schon enorm. Konzentrieren wir uns lieber auf das, was UNS und für unseren Alltag wichtig ist. Und auch auf das was wir schon erreicht haben mit unseren Hunden!
Und es ist okay sich Unterstützung zu holen. Wir können nicht alles wissen und alles können. Manche Hunde stellen uns vor besondere Herausforderung. Hürden müssen nicht alleine erklommen werden. Wer sich professionelle Hilfe holt, sorgt für sich und die eigene Handlungsfähigkeit.
Was, wenn das Verhalten meines Hundes zum Problem wird?
Wenn das Verhalten des eigenen Hundes im Alltag Probleme macht, wünscht man sich eine schnelle Lösung. Das ist nachvollziehbar. Nur, es gibt nicht die eine Methode/den einen schnellen Tipp und der Hund pöbelt nicht mehr am Zaun, an der Leine, liebt auf einmal fremde Menschen, läuft plötzlich super an der Leine,... Das Verhalten des Hundes hat auch etwas mit den Beziehungsstrukturen zu seinen Menschen zu tun und damit, wie der Mensch das Verhalten seines Hundes bewertet und damit umgeht. Erst wenn der Mensch bereit ist, an seinem Verhalten etwas zu ändern und das auch umsetzt, kann der Hund sein Verhalten ändern. Was ich damit nicht meine ist „dein Hund geht jagen, dann ist eure Bindung schlecht“. Solche Aussagen sind absoluter Nonsens und außerdem viel zu vereinfacht gedacht. Das Verhalten des Hundes hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Auch genetische Veranlagungen und gefestigte Gehirnstrukturen bedingen z.B. das Verhalten eines Hundes. Das ist wichtig zu wissen und zu berücksichtigen. Deswegen gibt man als seriöse Hundetrainer:in nicht mal eben einen schnellen Tipp oder arbeitet ausschließlich nach Methode XY. Sondern analysiert in einem ausführlichen Erstgespräch erst einmal das Problem, die Beziehung und den Alltag mit dem Hund, um herauszufinden was wir als Mensch verändern können, damit der Hund lernt sein Verhalten zu ändern und/oder wir die Kontrolle über sein Verhalten bekommen (Managementmaßnahmen). Verhalten ist komplex und immer ganzheitlich zu betrachten und Erziehung findet nicht nur in der Hundeschule statt, sondern jeden Tag. Und auch bei ernsthaften Problemverhalten des Hundes kann nur ein ganzheitlicher Ansatz (der u.U. von Managementmaßnahmen begleitet wird) nachhaltig etwas verändern. Aber in jeden Fall spielt immer unser Verhalten als Mensch eine maßgebliche Rolle. Wer eine Veränderung möchte, muss selbst etwas ändern. Melde dich gerne bei mir und wir finden gemeinsam eine nachhaltige Lösung.
"Angsthunde" und ähnliche Bezeichnungen
Warum solche Bezeichnung problematisch sind anhand des Beispiels "Wolfie".
Wolfie kommt aus Rumänien und war anfangs extrem scheu. Aber sie ist kein „Angsthund“ und ist es auch nie gewesen. Sie hat einfach in ihren ersten Lebensmonaten nicht viel kennengelernt und erst recht nicht den Umgang mit Menschen oder das Leben in einer Stadt. Deswegen ist sie situativ unsicher, bellen hilft ihr dann irgendwie immer. Sie hat also eine Lösungsstrategie, ist handlungsfähig. Dann gibt es wiederum Situationen da strotzt sie wiederum vor Selbstbewusstsein. Und davon gibt es gar nicht wenige!
Labels/Stempel wie „das ist ein Angsthund“ helfen ihr nicht dabei, sich weiter zu entwickeln. Damit wird sie mit ihrem Potenzial unterschätzt. Sie helfen auch uns Menschen nicht im Umgang mit ihr. Labels stecken einen in eine Schublade aus der man nur schwer wieder rauskommt. Dann sieht man nur noch das (die Angst) und begründet jedes Verhalten mit Angst. Bezeichnungen wie „Angsthund“, „Aggrohund“, „Problemhund“, etc. verblenden den Blick auf alle anderen Aspekte einer Persönlichkeit, lassen wenig (Denk)Spielraum zu und sorgen schlimmstenfalls für die sogenannte selbsterfüllende Prophezeiung. Ein Hund verhält sich i.d.R. nicht immer ängstlich, unsicher, aggressiv, problematisch. Ein Hund tendiert aufgrund seiner Persönlichkeit vielleicht eher zu diesem oder jenem Verhalten. Es ist für das Zusammenleben und Training aber auch wichtig wahrzunehmen und wertzuschätzen, wann sich der „Aggrohund“ freundlich oder der „Angsthund“ selbstbewusst verhält. So kommt man raus aus einer problemfixierten Sichtweise, die handlungsunfähig machen kann, hin zu einem ressourcenorientierten Umgang mit seinem Hund.
Grenzen setzen
Im Tierheim sitzen viele Hunde, die nie Grenzen kennen gelernt haben und dann wegen Überforderung abgegeben wurden. Es scheint teilweise die Vorstellung zu herrschen, dass Hundeerziehung bedeutet, dem Hund "Sitz" und "Platz" beizubringen und Hunde ansonsten einfach so in unserer Gesellschaft gut klar kommen würden. Hunde sind jedoch soziale Lebewesen und unser Anspruch an das Zusammenleben mit Hund ist mittlerweile sehr hoch, daher werden wir ihnen mit dieser Vorstellung nicht gerecht.
Es ist also unsere Aufgabe unseren Hunden die "Spielregeln" zu erklären. Wenn ich etwas gut finde, sage ich das meinem Hund. Wenn ich etwas nicht gut finde, sage ich ihm das selbstverständlich auch. Und zwar so, dass mein Hund das jeweils versteht. Verhalten das du ignorierst ist Verhalten, dass du akzeptierst! Konflikte und Reibung gehören genauso in eine Beziehung, wie Zuneigung und Harmonie.
Begriffe wie "Dominanz" und "Führung" sind leider sehr negativ belegt, obwohl beide wichtig und notwendig sind im Zusammenleben. "Auf Augenhöhe" klingt natürlich ganz toll und viel besser, aber mal ehrlich: ernsthaft? Wir haben entschieden, dass unser Hund bei uns einzieht. Wir entscheiden, was er zu essen bekommt, wann er pinkeln kann, wie er seine Freizeit verbringt, wo er spazieren geht, etc. pp. Wir kommen aus der Nummer sowieso nicht raus den führenden Part zu übernehmen. Und das ist auch gut so. Wir treffen die Entscheidungen, wir tragen die Verantwortung. Hunde wären in unserer Gesellschaft damit doch teilweise auch völlig überfordert. Es hilft unseren Hunden, zu wissen was sie dürfen und was nicht. Ihnen das nicht klar und deutlich zu sagen ist einfach nur unfair.
Doch „Grenzen setzen“ - das ist leichter gesagt als getan. Viele tun sich damit sehr schwer. Gegenüber Hunden und auch Menschen. Das zu lernen ist ein Prozess, den ich in Bezug auf eure Hunde und insbesondere den Hunden zuliebe gerne unterstützend begleite.
Unsere Beziehung zu Hunden
Es ist kompliziert geworden. Warum eigentlich? Die einen sagen, du musst dich für deinen Hund interessanter machen! Die anderen sagen, du musst dich emotional mehr abgrenzen! Beides klingt irgendwie nach toxischer Beziehung. Und was daran ist realistisch? Warum brauchen wir andere, die uns sagen wie wir unsere Beziehung gestalten sollen? Hund Hund sein lassen vs. Hund total vermenschlichen... Was ist denn ein Hund? Vielleicht erstmal damit und mit den eigenen Bedürfnissen auseinandersetzen, bevor man den 30. Insta-Tipp ausprobiert, einem "Insta-Hunde-Guru" folgt oder zur 10. Trainer:in läuft. Authentizität ist ein wesentlicher Bestandteil gesunder Beziehungen. Dafür brauche ich Klarheit über die eigenen Bedürfnisse und die meines Hundes, sowie Vertrauen in mich selbst.
Nähe & Distanz
Meine Hunde halten sich gerne in meiner Nähe auf und ich hab sie gern in meiner Nähe. Können sie trotzdem alleine bleiben? Ja. Hat es etwas mit Kontrolle zu tun? Nein. Hat mich Wolfie mal gestalkt? Definitiv ja. Verfällt sie manchmal wieder in dieses Verhalten? Selten, aber ja. Und das ist etwas, was ich dann nicht zulasse, im Gegensatz zu "meine Nähe suchen". Woran man den Unterschied fest macht und wie viel Nähe und Distanz eine Beziehung braucht, ist individuell. Wichtig ist nur, gibt es ein Problem, sollte auch dieser Aspekt beleuchtet und in Betracht gezogen werden, an dieser Stelle etwas zu verändern. Möchte ich eine Verhaltensänderung beim Hund, macht es Sinn auch meine eigenes Verhalten zu reflektieren. Brauche ich viel Nähe und suche diese ständig aktiv zu meinem Hund, muss ich mich nicht wundern, wenn dieser möglicherweise das Gefühl bekommt, ich bräuchte ihn und entsprechend Verantwortung übernimmt. Bin ich immer für meinen Hund verfügbar, dann kann es passieren, dass er nicht damit umgehen kann, wenn ich es mal nicht bin. Bin ich immer zur Stelle, um alles für meinen Hund zu regeln, fühlt er sich u.U. alleine hilflos. Mit rein spielt dabei natürlich immer noch die Genetik des Hundes. Dieser muss ich mir bewusst sein, um die Talente meines Hundes entsprechend zu fördern oder sie in alltagstaugliche Bahnen zu lenken (z.B. territoriales oder sozialmotiviertes Verhalten). Wie wir das Zusammenleben und die Beziehung mit unseren Hunden gestalten, hat einen wesentlichen Einfluss auf ihr Verhalten.
Rituale im Alltag
Unser Alltag steckt voller Rituale (sich wiederholende Handlungsabläufe). Rituale können hilfreich sein. Rituale können aber auch zu Problemen führen. Manche Rituale haben wir bewusst eingeführt, manche haben sich einfach ergeben und mit der Zeit eingeschlichen. Manche Rituale haben unsere Hunde etabliert ;) Rituale können ein Zeichen von Zusammengehörigkeit und Vertrautheit sein. Rituale können Sicherheit geben: man weiß was auf einen zukommt, was man zu erwarten hat und bewegt sich in einem Rahmen, den man kennt. Man kennt bestimmte Abläufe und weiß, wie der andere sich verhalten wird und wie man sich selbst zu verhalten hat. Es entsteht also eine Erwartungshaltung und genau die kann auch zum Problem werden. Welche Rituale im Alltag hilfreich sind und welche störend, ist total individuell. Beispiel: wenn ich einfach so das Haus verlasse sind meine Hunde sehr unruhig während sie alleine sind. Wir haben für das Alleinebleiben ein festes Ritual. Anschließend können meine Hunde ganz entspannt mehrere Stunden alleine bleiben. Bei anderen Hunden kann so ein ritualisierter Ablauf genau das Gegenteil bewirken. Dieser muss gar nicht so konstruiert sein wie unserer, es reichen bestimmte wiederkehrende Verhaltensweisen des Menschen (bestimmte Jacke anziehen, Schlüssel nehmen,...) und der Hund weiß, was als nächstes kommt und gerät dadurch total in Stress. Es macht Sinn mal genau hinzuschauen, wenn es im Alltag Probleme gibt, mit welchem Ritual es evtl. im Zusammenhang stehen könnte. Dann hat man einen Anhaltspunkt für mögliche Veränderungen. Man kann Rituale auch nutzen, um zu überprüfen, wie sich der Hund verhält, wenn das von ihm Erwartete nicht eintrifft. Wir uns also entgegen seiner Erwartungshaltung verhalten. Wird das akzeptiert oder ist es Diskussionsgrundlage? Für einen neuen Hund, insbesondere einem der noch keine Erfahrung im Zusammenleben mit Menschen hat, können Rituale erst einmal sehr hilfreich sein, um Orientierung zu geben und damit Sicherheit zu vermitteln.
Was ist ein gutes Hundeleben?
Nicht jeder Hund will auf dein Sofa.
Wir reden uns gerne ein, dass unsere Hunde bei uns automatisch das bessere Leben haben.
Aber ist das wirklich für jeden Hund ein Upgrade?
Manche Hunde blühen auf an unserer Seite.
Andere… gehen an unseren Anforderungen und Erwartungen kaputt. Weil nicht genau hingeschaut und differenziert wurde, was sie eigentlich brauchen.
Nähe oder Freiheit? Ruhe oder Abenteuer? Mensch oder andere Hunde? Oder beides? Ein gutes Hundeleben sieht nicht für alle gleich aus.
Manche Hunde gehören an unsere Seite.
Andere gehören genau da hin, wo sie frei und selbstbestimmt leben können.
Es gibt keine pauschale Antwort auf die Frage 'Was ist ein gutes Hundeleben?'
Hunde erziehen...
...ist keine Raketenwissenschaft.
Es liegt in unserer Natur, dass wir als soziale Lebewesen in der Lage sind unsere Nachkommen so zu erziehen, dass diese wiederum in der Lage sind in unseren Sozialstrukturen zurecht zu kommen. Das ist überlebenswichtig. Auch wenn Hunde natürlich nicht unsere Kinder sind, sind Hunde genauso soziale Lebewesen, die erzogen werden müssen.
Forschung, wissenschaftliche Erkenntnisse, alles richtig und wichtig. Dennoch: hört in euch rein, hört auf eurer Bauchgefühl! Habt weniger Angst etwas falsch zu machen, sonst werdet ihr handlungsunfähig und unsere Hunde sind „lost“! Sie sind darauf angewiesen, dass wir ihnen erklären, wie sie sich in unserer Gesellschaft, in unserer Beziehung, in unserem Zusammenleben zu verhalten haben. Diesen Rahmen müssen und können wir ihnen vorgeben. Unseren Hunden zu vermitteln, was sie dürfen und was nicht, das können wir! Dafür sind nicht tausend Insta-Posts und kluge Bücher und der*die tausendste Trainer:in mit der Xten Methode notwendig! Das führt nur zu Verunsicherung. Vertraut auf euch. Bitte nicht falsch verstehen, natürlich macht es Sinn sich auch fachkundige Hilfe zu holen, auch das ist ein wesentlicher Bestandteil sozialer Strukturen, sich gegenseitig zu unterstützen. Und wenn es gravierende Probleme gibt natürlich erst recht. Aber für die Basis, für die grundlegende Erziehung möchte ich euch bestärken, euch selbst wieder mehr zu vertrauen. Alle Hundehalter:innen, die ich bisher kennen lernen durfte, wollen nur das Beste für ihren Hund (klar gibt es Ausnahmen, aber um die geht es hier nicht). Schnell verirrt man sich im Social-Media-Dschungel, lässt sich verunsichern durch die ungebetenen RatSCHLÄGE anderer Hundehalter:innen und vergisst, dass man sich und den eigenen Hund selbst am besten kennt. Oft bestärke ich Kund:innen, indem was sie eigentlich schon wissen und intuitiv richtig machen. Diese Form der Bestätigung braucht es manchmal und ist ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit. Am Ende geht es darum, dass wir handlungsfähig sind und es uns und unserem Hund im Umgang miteinander gut geht.
Empfehlungen:
Gassi-Service
Martyna Ziolkowska - Ein Haufen Hunde
Physiotherapie
Tierphysio Teuchert
Maulkörbe
Mengedogs - Beratung, Anpassung, Verkauf
Hundesicherung
Alina Burgdorf +49 152 08497102
Hundesicherung Bremen & umzu
Zughundesport
Nina Blank - AppiAlarm
Ausbildungsinstitute
Hundetrainer:innen: KynoLogisch gGbR
Therapiebegleithunde u.w.: SoulDogs GbR
Tierheime/Tierschutzvereine
Tierheim Arche Noah (Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.)
Bremer Tierschutzverein e.V
Tierschutz Lübeck & Umgebung e.V.
Tierschutzverein Oldenburg e.V.
SpecialDogs e.V.
Hunde & Co in Not e.V
ResqDogs e.V.
Lichtblick für Pfoten e.V. (Projekt "Heimat für Pfoten)
Hoffnungspfoten e.V.
Tierschutzgruppe Herzensmenschen e.V.
Notfellchen Rumänien e.V.
Das schwarze Schaf (Luxemburg)
Freundeskreis Bruno Pet e.V.
Mit einigen Tierheimen/Vereinen habe ich persönliche Erfahrungen, mit anderen ist es nur eine Beurteilung von außen. Auch bin ich nicht bei allen immer zu 100% d'accord, was und wie gearbeitet/gehandelt wird. Wenn ein Verein hier nicht steht, bedeutet das nicht automatisch, dass dieser nicht gut bzw. nicht zu empfehlen wäre. Bitte macht euch immer ein eigenes Bild. Lest dazu gerne auch: "Wie erkenne ich einen seriösen Tierschutzverein" s. oben.
Literatur
'Hunde lesen lernen - Hundeverhalten praxisnah erklärt' (Maren Grote)
'Der gelassene Hund - Selbstbeherrschung, Impulskontrolle, Frustrationstoleranz' (Gülay Ücüncü)
'Hoffnung auf Freundschaft - Das erste Jahr des Hundes' (Michael Grewe/Inez Meyer)
'Hunde brauchen klare Grenzen - Gesetze einer Freundschaft' (Michael Grewe/Inez Meyer)
'Resilienz bei Hunden - Für einen gelassenen Umgang mit Konflikten und Stress' (Vanessa Engelstädter)
'Die geheime Welt der Straßenhunde - Neue Beobachtungen mit GPS-Messungen und was wir für unsere Hunde daraus lernen können' (Sarah Fink)
'Die zweite Chance - Hunde mit Vergangenheit' (Katharina von der Leyen/Inga Böhm-Reithmeier)
'Die Persönlichkeit des Hundes - Wie Gene und Umwelt das Wesen bestimmen' (Dr. Marie Nitzschner)
'Angst beim Hund - Verstehen und richtig reagieren' (Ute Heberer/Katja Schumacher/Anna Pietschmann)
'Hunde fühlen und anleiten - Die Magie der Berührung' (Maren Grote)